The Summit

erstellt am: 13.12.2014 | von: VooDoo | Kategorie(n): Filme

Ein Film, dessen Trailer mich hat aufmerken lassen. Könnte es erstmals das Erlebnis einer nachgestellten Doku sein, die eben nicht nachgestellt aussieht? Dass es sich um keinen Spielfilm handeln würde, zeigte der Trailer zwar bereits, aber vielleicht mal etwas weniger holprig und wenig in Spannung versetzendes wie die Verfilmung von Sturz ins Leere?

Der Film behandelt die tragischen Ereignisse am K2 im August 2008, als insgesamt 11 Bergsteiger am gefürchteten Berg der Berge ums Leben kamen. Der Film behandelt somit das gleiche Thema wie Graham Bowleys Buch Kein Weg zurück, wobei er meiner Meinung nach leider nicht alle Stärken des Buchs vorzuweisen hatte, dafür jedoch all seine Schwächen und noch ein paar Schwächen mehr.

Die Landschaftsbilder des Films empfand ich fast ausnahmslos als Augenweide, die Darstellung wirkte ziemlich überzeugend und offensichtlich wurde viel Originalmaterial mit einigen gestellten Szenen recht überzeugend zusammengestellt. Eine große Schwäche nachgestellter Szenen ist sonst in meinen Augen für gewöhnlich die extrem unauthentische Darbietung ala GZSZ. In diesem Falle war es jedoch meistens erfreulich gut gelungen.
Um so bedauerlicher empfand ich den konfusen Szenenaufbau, es wurde zwischen allen möglichen Ereignissen hin und her gesprungen und speziell der völlig aus dem Kontext fallende “Nebenbericht” über die einstige Erstbesteigung des K2 hätte man sich zum Wohle von mehr themenbetreffender Filmzeit sparen können. In diesem Punkt haben mich die Interviewschnitte zur mittlerweile verstorbenen Bergsteigerlegende Walter Bonatti am meisten genervt. Permanent schien der Film zu wechseln zwischen den tragischen Ereignissen aus dem jahre 2008 und einem Bericht über Bonatti, der permanent am meckern darüber ist, wie gemein doch alle zu ihm seit Ewigkeiten sind, seine Beteiligung an der Erstbesteigung nicht gebührend anzuerkennen. OK Walter, war vielleicht wirklich eine recht aufreibende und fragwürdige Sache, aber was bitte hat das mit DEM FILM ZU TUN? Brauchten die Macher hier einfach irgendeinen Zeitauffüller mit Grundthema K2? Ich hätte es deutlich besser gefunden, hätte man das ganze Bonatti-Ding weggelassen und stattdessen z.B. die zweitägige Abstiegsodyssee Wilco van Rooijens nachgestellt, der am Ende aufgrund seiner eigenen Anrufe mit seinem Satellitentelefon von den Rettern quasi “geortet” werden konnte. Was für eine Aktion. Davon aber war tatsächlich nichtmal irgendwas erwähnt worden. van Rooijens Rettung beschränkte sich auf etwa zwei kleine Nebensätze einer Kommentatorenstimme und einen kurz eingeblendeten Satz, dass er zwei Nächte in der Todeszone unter freiem Himmel verbracht hatte. Ich finde, seine Geschichte allein hätte für einen ganzen Film ausreichen können. Aber… NIX!!! Eieiei.

Also mal knapp gesagt: Wer das Buch von Bowley nicht kennt, der könnte von diesem Film vermutlich etwas irritiert werden und recht oft nur Bahnhof bezüglich der vielen Ereignisse verstehen. Wer das Buch kennt, dürfte ähnlich enttäuscht sein wie ich. Ich kann den Film eher als bebilderte Ergänzung des Buchs für Interessierte empfehlen, zuviel Erwartung sollte man aber nicht reinstecken, selbst ich als Buchleser war zum Ende sehr planlos, wer jetzt wo und wie dem Tode nah oder schon drüber hinaus war.

Guter Ansatz, am Ende ist das Ding aber etwas gegen die Wand gefahren worden, in meinen Augen. Dabei hätte es sicher gutes Potenzial sogar für einen richtigen Spielfilm im Format von 127 Hours.

P.S.: “Quasi-Protagonist” des Films ist übrigens der Ire Gerard McDonnell, seinerseits erster Ire auf dem K2-Gipfel und am Ende ebenfalls eins der tragischen Opfer dieser Tragödie. Über diesen Charakter als “Hauptdarsteller” der ganzen Ereignisse braucht man aber nicht streiten, denn immerhin ist der Film eine irische Produktion, also ist so etwas ja nicht sonderlich überraschend. Und bei insgesamt 25 Protagonisten in einer Dokumentationsnachspielung wäre eine genauere Beleuchtung aller 25 wohl doch eine gute Ladung zu ausartend gewesen. Auch hier wäre der Gedanke “Spielfilm” wieder ein guter Denkanstoß für einen späteren Neuverfilmungsversuch ;-)

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