Erneut im Harz – Wurmberggipfel erreicht

Mit dem Wurmberg ist nun wieder einer abgehakt, in der Liste der “16 Summits”, der sechzehn höchsten Gipfel der Deutschen Bundesländer. Und damit ist auch der Harz fürs Erste nicht mehr im Fokus meiner Ausflüge. Aber eins ist klar: Ich war nicht das letzte mal dort :-)

Der Weg von Braunlage aus, entlang der Strecke der Wurmberg-Seilbahn, war recht sommerlich, jedoch nicht so schön, wie die Wanderwege am Brocken. Überwiegend ging es beim Aufstieg die sommerbedingt schneefreien Skipisten hinauf. Nicht gerade der größte Augenschmauß, jedoch zumindest eine Anregung, einmal im Winter hier vorbeizuschauen und dann die örtlichen Pistenverhältnisse nochmal genau zu untersuchen.

Bis dahin gibt es aber noch einige andere Gipfel in Deutschland zu ersteigen, das Projekt “16 Summits” ist ja schließlich noch lange nicht beendet.

Cerro Torre – Nicht den Hauch einer Chance

Ich war bisher nicht sonderlich begeistert von David Lama. Nicht, dass er nicht gut klettern könne. Es war viel mehr sein unreifes Verhalten. In Klettervideos und Interviews erweckte er bei mir immer den Eindruck eines Teenagers, der extrem gut klettern kann. Aber trotzdem halt ein pubertierender Knirps. Ein Bengel, der noch nicht viel Lebenserfahrung hat und somit einen schwachen Philosophen des Belanglosen mit etwas arrogantem Touch abgibt…
Nebenbei bemerkt war auch aber auch bisher kein sonderlicher Fan des Cerro Torre. Das dürfte aber schlicht daran liegen, dass das Land selbst im Tal sehr trostlos auf mich wirkt, die Berge irgendwie optisch bisher nicht den allergrößten Reiz auf mich ausgeübt haben und jede Geschichte, die ich bisher vom Torre gelesen habe in einem gewaltigen Unwetter oder einer noch spektakuläreren Katastrophe geendet hat.

Seit dieser meiner Meinungen sind allerdings auch einige Jahre ins Land gezogen und immerhin ist David inzwischen ein kletternder “Twen” und kein “Teen” mehr.
Sein Film in Patagonien zeigte darüber hinaus eine Form von Reifung und Erwachsenwerden. Zu Beginn von “Cerro Torre” waren trotz seines Älterwerdens noch die mir altbekannten Züge vorhanden. Doch wie mir scheint, ist der Torre ein Berg, der auch einen David Lama ziemlich schnell Zurückhaltung und sogar Demut lehren kann… mehr kann ich zu diesem Film nicht sagen, außer vielleicht: Schaut ihn euch an. Tolle Bilder, tolles Klettern, tolle Geschichte.

Banff Mountain 2014 am 28.02. in Bremen

Endlich hat das Warten ein Ende, denn heute abend ist es endlich soweit: Die Banff Mountain Film Festival World Tour 2014 kommt nach Bremen!

Wer noch keine Karte hat, der bekommt sie zumindest noch an der Abendkasse. Vorführungsort ist das Cinemaxx Bremen.
Und wer es heute abend nicht mehr schafft, kann ja auf www.banffmountainfilm.de schauen, wann und wo weitere Termine sind.

Hier nochmal der aktuelle Trailer der Veranstaltung. Also ich bin gespannt, was da so kömmt :-)

Sturz ins Leere: Ein Überlebenskampf in den Anden

Joe Simpsons Bestseller über seinen dramatischen Unfall und anschließenden Kampf ums Überleben und zurück zum Basislager, nachdem er von seinen Freunden schon längst für tot gehalten wurde.
Nachdem ich zuerst den Film gesehen hatte (von dem ich allerdings nicht sonderlich begeistert war), hatte ich mich nun entschlossen, mir die Geschehnisse des Jahres 1985 am Siula Grande in literarischer Form nochmals durch den Kopf gehen zu lassen.
Über die Handlung dürfte der Großteil der Bergsportgemeinschaft bescheid wissen und alle, die es nicht wissen, werden ausreichend Inhaltsangaben im Netz finden können. Das Buch ist schließlich ein Bestseller und offenbar in fast aller Munde, wenn es um spannende und verzweifelte Berichte übers Bergsteigen geht.

Kurz zusammengefasst begeben sich Joe Simpson und Simon Yates 1985 in die Anden, um eine neue Route am 6344m hohen Siula Grande zu erschließen. Bis zum Basislager werden sie außerdem vom Nicht-Bergsteiger Richard Hawking begleitet. Nach einiger Vorbereitungszeit und Beobachtung des Wetters ziehen die beiden Bergsteiger schließlich los und kämpfen sich auf dem Weg zum Gipfel durch immer neue Probleme, von Schneemassen, über Steinschlag bis hin zu logistischen Problemen in Bezug auf die mitgenommene Ausrüstung.
Nach dem Gipfelsieg, bereits auf dem Abstieg, geschieht dann das Unglück: Joe stürzt und bricht sich das rechte Bein und Knie. Aufgrund der Ausrüstungs- und Wettersituation kommt dies einem Todesurteil gleich. Dennoch steht Simon seinem schwer verletzten Partner weiter zur Seite und tut sein Möglichstes, Joe vom Berg zu schaffen. Die Rettungsaktion scheitert nach diversen Querungen und Abseilfahrten durch die stürmische, zunehmende Dunkelheit schließlich, als Joe beim Ablassen über einen Felsvorsprung stürzt und sich außer Stande sieht, irgendwie wieder in Kontakt mit dem Fels zu kommen. Währenddessen wartet Simon über eine Stunde darauf, dass Joe das Seil entlastet. Als ihn die Kräfte schließlich zu verlassen drohen und er immer mehr von Sturm und den Schneemassen aus seiner Standposition gezerrt wird, entschließt sich Simon spontan zum einzigen, ihm noch denkbaren Schritt, dem eigenen Absturz zu entkommen: Er greift das Taschenmesser in seinem Rucksack und schneidet das Seil durch. Joe stürzt ca 30 Meter in die Tiefe in eine Gletscherspalte… und überlebt!
Simon, der seinen Freund auf dem gewissen zu haben glaubt, verbingt die Nacht in einer Schneehöhle und steigt am nächsten Morgen weiter ab, während er offenbar bei jedem Schritt darauf wartet, dass die Berge ihn zur Strafe ebenfalls holen mögen. Da er auf dem Gletscher keine Spur von Simon entdeckt, hält er diesen endgültig für tot und begiebt sich voller Selbstzweifel zurück zum Basislager, wo er mit Richard noch ein paar Tage verbringt, um zu Kräften zu kommen und sich offenbar mit den Geschehnissen abzufinden.
Währenddessen schafft es Joe, trotz seiner Verletzung und seines allgemein kraftlosen Zustands durch Dehydration, Unterkühlung und Erfrierungen, einen Ausweg aus der Gletscherspalte zu finden und tritt den langen Rückweg zum Basislager an. Humpelnd, hüpfund und schließlich kriechend, durchstreift Joe die endlos scheinende Gletscherkulisse und später die Moränen, auf der Suche vor allem nach Wasser. Immer wieder stürzt er äußerst schmerzhaft bei seinem Vorankommen und kämpft mit Erschöpfung und Halluzinationen.
Am Ende schafft es Joe, in stürmischer Nacht bis kurz vor die Zelte. Da er sie selbst in der Dunkelheit nicht sehen kann, ruft er verzweifelt nach Simon. Richard und Simon hören die Rufe und finden den schlimm zugerichteten Joe in der Nähe des Basislagers, in der letzten Nacht vor ihrem geplanten Aufbruch nach Lima.
Der Bericht schließt mit der Zusammenfassung der anstrengenden Rückreise per Esel und dem Beginn der Knieoperation im Krankenhaus in Lima.

Überwiegend empfand ich das Buch nicht so beklemmend. Den Großteil des Anfangs klingelten bei mir immer wieder die Alarmglocken, in welch unvorsichtige Aktionen die beiden sich zu stürzen schienen und nur mit Glück entkamen. Die Beschreibung der Situation (auch der Kälte) erreichte mich derweil weniger. Auch der Beinbruch an sich traf mich zunächst nicht. Was mich dann aber überraschend aus den Angeln hob, war die Beschreibung, wie Joe seine eigene Verletzung schließlich realisierte und den genauen Zustand seines Knies zu ergründen versuchte. In diesem Moment riss es mich selbst fast von den Füßen. In mir stieg ein starkes Gefühl von Übelkeit auf, gepaart mit Schwindel und Hitzewallungen, die mich meinen Schal vom Hals reißen ließen. Ich kannte diese Gefühle in mir. Ich hatte sie bereits mehrere Male erlebt, als ich mir selbst etwas gebrochen hatte. Ich könnte heute nichtmal mehr sagen, was genau an Joe Simspons Worten diese Reaktionen in mir ausgelöst hatte. Ich wusste aber, dass dieser Zustand vermutlich das beklemmenste an all meinen Verletzungen war. Nicht der eigentliche Schmerz der verletzten Stelle, nicht die Umgebung, ind er ich mich befand, sondern dieser Schwindel! Dieser Schwindel und die unerträgliche Hitze in meiner Brust! Nach einigen Minuten tiefen Durchatmens an der kalten Luft kehrte mein Körper glücklicherweise zurück zum Normalbetrieb. Joes weiterer Bericht war derweil teilweise etwas schwer nachvollziehbar, manchmal ging er mir fast zu schnell und ich konnte bei den kurz angerissenen, vielen schnellen Abseilfahrten kaum nachvollziehen, wieviel Zeit und Höhenmeter tatsächlich verstrichen.
Das Hängen über dem Abgrund war dann ein wieder sehr greifbarer Moment, ein Moment der absoluten Fokussierung auf nur diese eine Situation, die Ruhe vor dem Sturm… und dann kam der Schnitt und es ging nochmal rasant abwärts bis in die Gletscherspalte.
Danach dann schließlich der Kampf gegen die Angst in der Spalte, den Joe trotz allem am Ende gewann und mit dem Hinausklettern auf den Gletscher kam es mir wie eine Wiedergeburt vor, wie die Heimkehr eines verloren gelaubten Helden und ich konnte geradezu die Trompeten schallen hören, als Joe den Kopf aus der Spalte emporreckte. Nur leider war nach diesem Moment des Hochgefühls noch ein langer Weg zu beschreiten. Zunächst kam es mir übermäßig gestreckt vor, doch als Simon und Richard den verletzten Joe dann schließlich in der nacht nahe ihrer Zelte fanden, wurde mir klar: Hätte Joe seinen Weg nicht so lang geschildert, hätte ich als Leser nicht soviel Glück empfinden können, als die Schinderei endlich zu einem glücklichen Ende kam.

Dass das Buch ein Bestseller wurde, kann ich verstehen, ist es doch sehr ausführlich, teilweise mitreißend und natürlich ein spannender Bericht. Manches erschien mir zwar zu distanziert für einen Erlebnisbericht, der lange Rückweg war mir derweil etwas zu monoton und teilweise zu abstrakt beschrieben (vielleicht muss ich zum besseren verständnis selbst erstmal richtig dehydriert gewesen sein). Die Passagen aus Simons Sicht waren interessant und wirkten sehr ehrlich.
Ich kann die Debatte der Berggemeinschaft bezüglich des Seildurchschneidens teilweise auch verstehen. Doch auch ich bin der Meinung, dass Simon die Entscheidung sehr spät und spontan getroffen hatte, aus der Not seiner Situation heraus. Mir kam es zumindest vor, als hätte noch längeres Warten in den nächsten Minuten unweigerlich auch zu seinem eigenen Absturz geführt. Eine derartig ausweglose Situation wirklich nachvollziehen zu können, bedarf vermutlich dem eigenen Befinden in einer vergleichbaren Situation.

Der Moment des Absturzes in – Seelig, wer in Träumen stirbt – und einige Momente aus – In eisige Höhen: Das Drama am Mount Everest – haben mich definitiv mehr mitgerissen und die Erzählungen empfand ich als deutlich weniger langatmig und packender, mehr in die Situation der Schreiber hineinversetzender. Dennoch hat mir das Buch von Joe Simpson insgesamt recht gut gefallen und ich überlege mir, einem weiteren seiner Werke noch einen Blick zu widmen.

Spaziergang auf Sachsens höchsten Gipfel

Vergangenen Freitag stand ein Ausflug nach Dresden auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin konnte ich mir jedoch die Chance auf einen Abstecher zum Fichtelberg entgehen lassen. Immerhin Nummer 6 auf meiner Liste Deutschlands höchster Gipfel der 16 Bundesländer.

Ab Leipzig wurde die Routenführung zwar zunehmend intuitiver, doch nach einer unerwartet langen Landstraßentour wurde dann schließklich doch der Kurort Oberwiesenthal ausgeschildert. Jener Ort am Fuße des Fichtelbergs.
Dort angekommen traf meine Freundin und mich jedoch gleich ein neues Problem: Die Unauffindbarkeit eines Parkplatzes in dem kleinen, abgelegenen und doch stark frequentierten Örtchen. Eigentlich hatte ich die Idee, direkt an der Talstation der Seilbahn zu parken und quasi die örtliche Skipiste direkt hinauf zu marschieren.
FichtelbergFehlende Parkmöglichkeiten und Ortsunkenntnis sorgten dann schließlich aber dafür, dass wir uns plötzlich auf gut 1120 Metern auf dem letzten Parkplatz vor dem Gipfel wiederfanden. Um nicht den ganzen Weg bis zum Gipfel mit dem Auto zurückzulegen, stellten wir unsere vier Räder kurzerhand auf dem gefundenen Platz ab und spendierten uns für die letzten 100 Meter zumindest noch einen schönen Spaziergang durch die winterliche Landschaft.
Nach 45 Minuten standen wir dann auf 1214 Metern und somit auf dem höchsten Gipfel Sachsens. Etwas windig, etwas kühl, doch insgesamt absolut erträglich. Es gab blauen, nur vereinzelt bewölkten Himmel, Sonnenschein und eine geradzu weihnachtliche Atmosphäre.

FichtelbergNochmal 45 Minuten später standen wir bereits wieder vor dem Auto und auch unser vierbeiniger kleiner Begleiter hatte seine verhaltene Freude an diesem Ausflug gehabt. Nagut, die uns regelmäßig auf unserem Weg passierenden Skilangläufer waren ihm dann vielleicht doch nicht so ganz geheuer, aber insgesamt war es ein schönes, überschaubares Winterabenteuer.

Heute bereits wieder in Bremen, macht sich zumindest bei mir nun ein altbekanntes Gefühl von Winterfernweh breit. Wo bleibt der Schnee bei uns? :-(

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