The Summit

Ein Film, dessen Trailer mich hat aufmerken lassen. Könnte es erstmals das Erlebnis einer nachgestellten Doku sein, die eben nicht nachgestellt aussieht? Dass es sich um keinen Spielfilm handeln würde, zeigte der Trailer zwar bereits, aber vielleicht mal etwas weniger holprig und wenig in Spannung versetzendes wie die Verfilmung von Sturz ins Leere?

Der Film behandelt die tragischen Ereignisse am K2 im August 2008, als insgesamt 11 Bergsteiger am gefürchteten Berg der Berge ums Leben kamen. Der Film behandelt somit das gleiche Thema wie Graham Bowleys Buch Kein Weg zurück, wobei er meiner Meinung nach leider nicht alle Stärken des Buchs vorzuweisen hatte, dafür jedoch all seine Schwächen und noch ein paar Schwächen mehr.

Die Landschaftsbilder des Films empfand ich fast ausnahmslos als Augenweide, die Darstellung wirkte ziemlich überzeugend und offensichtlich wurde viel Originalmaterial mit einigen gestellten Szenen recht überzeugend zusammengestellt. Eine große Schwäche nachgestellter Szenen ist sonst in meinen Augen für gewöhnlich die extrem unauthentische Darbietung ala GZSZ. In diesem Falle war es jedoch meistens erfreulich gut gelungen.
Um so bedauerlicher empfand ich den konfusen Szenenaufbau, es wurde zwischen allen möglichen Ereignissen hin und her gesprungen und speziell der völlig aus dem Kontext fallende “Nebenbericht” über die einstige Erstbesteigung des K2 hätte man sich zum Wohle von mehr themenbetreffender Filmzeit sparen können. In diesem Punkt haben mich die Interviewschnitte zur mittlerweile verstorbenen Bergsteigerlegende Walter Bonatti am meisten genervt. Permanent schien der Film zu wechseln zwischen den tragischen Ereignissen aus dem jahre 2008 und einem Bericht über Bonatti, der permanent am meckern darüber ist, wie gemein doch alle zu ihm seit Ewigkeiten sind, seine Beteiligung an der Erstbesteigung nicht gebührend anzuerkennen. OK Walter, war vielleicht wirklich eine recht aufreibende und fragwürdige Sache, aber was bitte hat das mit DEM FILM ZU TUN? Brauchten die Macher hier einfach irgendeinen Zeitauffüller mit Grundthema K2? Ich hätte es deutlich besser gefunden, hätte man das ganze Bonatti-Ding weggelassen und stattdessen z.B. die zweitägige Abstiegsodyssee Wilco van Rooijens nachgestellt, der am Ende aufgrund seiner eigenen Anrufe mit seinem Satellitentelefon von den Rettern quasi “geortet” werden konnte. Was für eine Aktion. Davon aber war tatsächlich nichtmal irgendwas erwähnt worden. van Rooijens Rettung beschränkte sich auf etwa zwei kleine Nebensätze einer Kommentatorenstimme und einen kurz eingeblendeten Satz, dass er zwei Nächte in der Todeszone unter freiem Himmel verbracht hatte. Ich finde, seine Geschichte allein hätte für einen ganzen Film ausreichen können. Aber… NIX!!! Eieiei.

Also mal knapp gesagt: Wer das Buch von Bowley nicht kennt, der könnte von diesem Film vermutlich etwas irritiert werden und recht oft nur Bahnhof bezüglich der vielen Ereignisse verstehen. Wer das Buch kennt, dürfte ähnlich enttäuscht sein wie ich. Ich kann den Film eher als bebilderte Ergänzung des Buchs für Interessierte empfehlen, zuviel Erwartung sollte man aber nicht reinstecken, selbst ich als Buchleser war zum Ende sehr planlos, wer jetzt wo und wie dem Tode nah oder schon drüber hinaus war.

Guter Ansatz, am Ende ist das Ding aber etwas gegen die Wand gefahren worden, in meinen Augen. Dabei hätte es sicher gutes Potenzial sogar für einen richtigen Spielfilm im Format von 127 Hours.

P.S.: “Quasi-Protagonist” des Films ist übrigens der Ire Gerard McDonnell, seinerseits erster Ire auf dem K2-Gipfel und am Ende ebenfalls eins der tragischen Opfer dieser Tragödie. Über diesen Charakter als “Hauptdarsteller” der ganzen Ereignisse braucht man aber nicht streiten, denn immerhin ist der Film eine irische Produktion, also ist so etwas ja nicht sonderlich überraschend. Und bei insgesamt 25 Protagonisten in einer Dokumentationsnachspielung wäre eine genauere Beleuchtung aller 25 wohl doch eine gute Ladung zu ausartend gewesen. Auch hier wäre der Gedanke “Spielfilm” wieder ein guter Denkanstoß für einen späteren Neuverfilmungsversuch ;-)

Cerro Torre – Nicht den Hauch einer Chance

Ich war bisher nicht sonderlich begeistert von David Lama. Nicht, dass er nicht gut klettern könne. Es war viel mehr sein unreifes Verhalten. In Klettervideos und Interviews erweckte er bei mir immer den Eindruck eines Teenagers, der extrem gut klettern kann. Aber trotzdem halt ein pubertierender Knirps. Ein Bengel, der noch nicht viel Lebenserfahrung hat und somit einen schwachen Philosophen des Belanglosen mit etwas arrogantem Touch abgibt…
Nebenbei bemerkt war auch aber auch bisher kein sonderlicher Fan des Cerro Torre. Das dürfte aber schlicht daran liegen, dass das Land selbst im Tal sehr trostlos auf mich wirkt, die Berge irgendwie optisch bisher nicht den allergrößten Reiz auf mich ausgeübt haben und jede Geschichte, die ich bisher vom Torre gelesen habe in einem gewaltigen Unwetter oder einer noch spektakuläreren Katastrophe geendet hat.

Seit dieser meiner Meinungen sind allerdings auch einige Jahre ins Land gezogen und immerhin ist David inzwischen ein kletternder “Twen” und kein “Teen” mehr.
Sein Film in Patagonien zeigte darüber hinaus eine Form von Reifung und Erwachsenwerden. Zu Beginn von “Cerro Torre” waren trotz seines Älterwerdens noch die mir altbekannten Züge vorhanden. Doch wie mir scheint, ist der Torre ein Berg, der auch einen David Lama ziemlich schnell Zurückhaltung und sogar Demut lehren kann… mehr kann ich zu diesem Film nicht sagen, außer vielleicht: Schaut ihn euch an. Tolle Bilder, tolles Klettern, tolle Geschichte.

Banff Mountain 2014 am 28.02. in Bremen

Endlich hat das Warten ein Ende, denn heute abend ist es endlich soweit: Die Banff Mountain Film Festival World Tour 2014 kommt nach Bremen!

Wer noch keine Karte hat, der bekommt sie zumindest noch an der Abendkasse. Vorführungsort ist das Cinemaxx Bremen.
Und wer es heute abend nicht mehr schafft, kann ja auf www.banffmountainfilm.de schauen, wann und wo weitere Termine sind.

Hier nochmal der aktuelle Trailer der Veranstaltung. Also ich bin gespannt, was da so kömmt :-)

The Network

“Anna Stöhr in einem Kletterfilm, muss ich haben!”, dachte ich.

Falsch gedacht. Hinterher fand ich, der Film war ein Fehlkauf. Ein langes Musikvideo vielleicht, doch mein Musikgeschmack war es auch nicht. Irgendetwas, das klang wie… Elektro-Rock? House-Metalcore? Keine Ahnung, es hat bestimmt einen Namen, doch meine Ohren möchten den vermutlich auch nichtmal kennenlernen.
Und selbst als Musikvideo ist es letztlich doch irgendwie wieder ungeeignet aufgrund der häufigen Beiträge der Protagonisten, die jedoch auch erstaunlich wenig Tiefgang boten. Naja, Sportler sind ja auch eher selten für ihre literarischen Fähigkeiten bekannt, was? Schade, ich dachte, bei Kletterrern wäre das anders, aber jede Medaille hat nunmal zwei Seiten.
Klettern wurde übrigens auch nicht gezeigt, zu ca. 99,8% handelte es sich um Bouldern. Entschuldigung, aber das kann man doch draufschreiben, oder? OK, bei Namen wie Anna Stöhr, Kilian Fischhuber und Danile Woods erwarte ich natürlich überwiegend Bouldern, aber wenn es ein “Kletterfilm” sein soll, kann man doch auch ein bisschen davon erwarten, oder ist das zuviel verlangt?
“Gezeigt” habe ich gesagt? Hmm, auch übertrieben. Jedenfalls habe ich wenig erkennen können, aber das lag vielleicht auch einfach nur an meinen Augen und/oder meinem Alter. Jedenfalls konnte ich in – Progression – ziemlich viel erkennen, auch von Daniel Woods’ Blöckelei in den Rocklands. Bei – The Network – hingegen konnte ich praktisch garnichts erkennen. OK, die Leute patschen, schnappen, hooken irgendwohin, aber wie das ganze Ding nun am Stück zu bouldern geht, kein Plan. Wo im problem die gezeigten Griffe waren und was für ein Griff danach kommt, kein Plan.

Ein Hin und Her zwischen ummpts ummpts-Musik, aussagelosem Gelaber, allen Kameratricks, die man zur Unkenntlichmachung von Bewegungsabläufen auffahren kann und Panoramaaufnahmen, die in HD sogar richtig gut aussahen (nur eben leider viel zu weitwinklig waren, um noch irgendeinen Griff am gefilmten Block erkennen zu können), lassen mich den Film nur aus Sammlergründen im Regal behalten, anstatt ihn zurück zu schicken und mein Geld zurück zu verlangen. Schade schade. Leute, das Ding war echt kein Meisterstück :-(
Da spar ich mir sogar einen Trailer-Link, sonst weckt der im einen oder anderen Blogleser womöglich ebenso falsche Hoffnungen, wie es bei mir der Fall war…

Jäger des Augenblicks

Am heutigen Abend war die Vorpremiere des neuen Dokumentarkletterfilms “Jäger des Augenblicks” in der Bremer Schauburg.

Tolle Stimmung, ein volles Kino und ein beeindruckender Film über die Erstbegehung einer neuen Route am Mount Roraima. Doch mehr als nur tolle Bilder und lässige Sprüche der beiden Kletterfreunde Stefan Glowacz und Holger Heuber, bietet dieser Film auch ein Andenken an die Kletterlegende Kurt Albert, der zwar beim ersten Ansturm auf den Roraima mit am Start gewesen war, jedoch vor dem zweiten Versuch in Bayern tödlich an einem Klettersteig verunglückt ist. Somit ist der Film gespickt mit Rückblenden vergangener Erfolge der drei Teilnehmer und auch mit Eindrücken ihrer bewegten Gedanken, Träume, Hoffnungen und Ängste.

Alles in allem ein Film mit dem Prädikat “absolut sehenswert”. Und die anschließenden Live-Vorträge von Stefan und Holger vor den Kinobesuchern waren definitiv noch ein tolles Sahnehäubchen dieser Vorpremiere. Zwei coole Typen, die man sich gerne anschaut und denen man gerne zuhört.

Offizieller Filmstart ist der 25.04.2013. Schauts euch an! Und natürlich hier noch ein Trailer zum Appetit holen…

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