Erneut im Harz – Wurmberggipfel erreicht

Mit dem Wurmberg ist nun wieder einer abgehakt, in der Liste der “16 Summits”, der sechzehn höchsten Gipfel der Deutschen Bundesländer. Und damit ist auch der Harz fürs Erste nicht mehr im Fokus meiner Ausflüge. Aber eins ist klar: Ich war nicht das letzte mal dort :-)

Der Weg von Braunlage aus, entlang der Strecke der Wurmberg-Seilbahn, war recht sommerlich, jedoch nicht so schön, wie die Wanderwege am Brocken. Überwiegend ging es beim Aufstieg die sommerbedingt schneefreien Skipisten hinauf. Nicht gerade der größte Augenschmauß, jedoch zumindest eine Anregung, einmal im Winter hier vorbeizuschauen und dann die örtlichen Pistenverhältnisse nochmal genau zu untersuchen.

Bis dahin gibt es aber noch einige andere Gipfel in Deutschland zu ersteigen, das Projekt “16 Summits” ist ja schließlich noch lange nicht beendet.

Spaziergang auf Sachsens höchsten Gipfel

Vergangenen Freitag stand ein Ausflug nach Dresden auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin konnte ich mir jedoch die Chance auf einen Abstecher zum Fichtelberg entgehen lassen. Immerhin Nummer 6 auf meiner Liste Deutschlands höchster Gipfel der 16 Bundesländer.

Ab Leipzig wurde die Routenführung zwar zunehmend intuitiver, doch nach einer unerwartet langen Landstraßentour wurde dann schließklich doch der Kurort Oberwiesenthal ausgeschildert. Jener Ort am Fuße des Fichtelbergs.
Dort angekommen traf meine Freundin und mich jedoch gleich ein neues Problem: Die Unauffindbarkeit eines Parkplatzes in dem kleinen, abgelegenen und doch stark frequentierten Örtchen. Eigentlich hatte ich die Idee, direkt an der Talstation der Seilbahn zu parken und quasi die örtliche Skipiste direkt hinauf zu marschieren.
FichtelbergFehlende Parkmöglichkeiten und Ortsunkenntnis sorgten dann schließlich aber dafür, dass wir uns plötzlich auf gut 1120 Metern auf dem letzten Parkplatz vor dem Gipfel wiederfanden. Um nicht den ganzen Weg bis zum Gipfel mit dem Auto zurückzulegen, stellten wir unsere vier Räder kurzerhand auf dem gefundenen Platz ab und spendierten uns für die letzten 100 Meter zumindest noch einen schönen Spaziergang durch die winterliche Landschaft.
Nach 45 Minuten standen wir dann auf 1214 Metern und somit auf dem höchsten Gipfel Sachsens. Etwas windig, etwas kühl, doch insgesamt absolut erträglich. Es gab blauen, nur vereinzelt bewölkten Himmel, Sonnenschein und eine geradzu weihnachtliche Atmosphäre.

FichtelbergNochmal 45 Minuten später standen wir bereits wieder vor dem Auto und auch unser vierbeiniger kleiner Begleiter hatte seine verhaltene Freude an diesem Ausflug gehabt. Nagut, die uns regelmäßig auf unserem Weg passierenden Skilangläufer waren ihm dann vielleicht doch nicht so ganz geheuer, aber insgesamt war es ein schönes, überschaubares Winterabenteuer.

Heute bereits wieder in Bremen, macht sich zumindest bei mir nun ein altbekanntes Gefühl von Winterfernweh breit. Wo bleibt der Schnee bei uns? :-(

Der Brocken: Stürmische Expedition bei Nacht und Nebel

Sachsen-Anhalts höchster Berg, 1141 Meter über Normalnull, ein Ort extremer Wetterbedingungen… der erste deutsche Berg mit über 1000 Metern Höhe, den ich in meine Gipfelliste eintragen darf!

Wir hätten am Freitag früher schlafengehen sollen, nicht erst um 4 Uhr morgens! Ich hätte mich dann wenigstens irgendwie zwingen müssen, ab 9 Uhr Uhr weiterzuschlafen! Ich hätte die Aktion vielleicht abblasen sollen, als wir beide erst nach 12 Uhr aus dem Haus gekommen sind! Ich hätte bei der merkwürdigen Ausschilderung in der Baustelle auf der A39 sofort meine Freundin bitten sollen, den Routenplaner für eine aktuelle Info zu befragen, statt erst, als wir offensichtlich viel zu wet gefahren waren und den Harz schon wieder verließen.

So kam es also, dass wir erst gegen 15:40 Uhr vom Parkplatz in Schierke aufbrachen. Aufgrund einiger Unstimmigkeiten entschieden wir uns quasi im Gehen spontan für einen Weg zum Gipfel des Brockens, mitten im Harz: Den Eckerlochstieg.

Zusammenfassend war es definitiv ein toller Weg, man folgt einem Bachbett mitten durchs Gehölz, auf welchem man wasser- und trittfestes Schuhwerk dabei haben sollte. Immerhin das hatten wir an diesem Tag bedacht. Die Skihosen hatten wir glücklicherweise im Auto gelassen, winddichte Kleidung und Mützen und Handschuhe, sowie Thermodecken für die Hunde hatten wir aber vorrausschauend in den Rucksack gepackt, was sich später als gute Entscheidung herausstellen sollte.
Schwieriger war die Wegfindung bei zunehmender Dämmerung. Irgendwann gab meine Kamera angesichts der Lichtverhältnisse tatsächlich auf. Manch erfolgreiche Auslösung bedurfte sowieso Belichtungszeiten von manchmal  um die 2 Sekunden, da konnte das eh nichts mehr werden. Derweil bewegten wir uns durch zunehmend graue und schließlich praktisch schwarze Umgebung. Aus unserem Misserfolg am Helpter Berg erleuchtet, hatten wir diesmal aber namentlich etwas zur Erleuchtung mitgebracht: Die Taschenlampe in den Händen meiner Liebsten leistete gute Dienste, zumal der Weg ab spätestens 850 Metern Höhe tatsächlich recht spannend zu werden begann.
Am Ende kamen wir in nächtlich anmutender Dunkelheit wieder aus dem Unterholz heraus und trafen erneut auf die Brockenstraße, von welcher wir zu Anfang aus den Eckerlochstieg erreicht hatten.
Der Straße folgend erreichten wir dann gegen 18 Uhr schließlich den Gipfel. Auf den letzten Anstiegsmetern vor dem Plateau empfing uns ein Ambiente, dass sowohl in einen Agententhriller, als auch in einen Horrorfilm gut gepasst hätte: Vor nachtschwarzem Himmel erleuchteten Flutlichtlaternen das weite Feld und färbten den allgegenwärtigen Nebel um den Brockenbahnhof und die Wetterstation in ein bedrohlich gruseliges orange mit tiefen Schatten. Dazu ein heulender Wind, der mit jedem Meter weiter auf das Gipfelplateau zunahm und schließlich einem Sturm glich. Im tosenden Lärm des Windes freute ich mich, dass meine Kleidung ihr Geld offenbar wert war. Gespräche mit der Freundin waren jedoch eher Gebrüll, um das Getöse überhaupt zu übertönen. Als wir dann schließlich den vollends exponiert liegenden Gipfelstein erreichten, legte der Wind nochmal eine Schippe drauf und unsere beiden treuen Kläffer verzogen sich zwischen den Aussparungen des Gipfelsteins und wimmerten uns vorwurfsvoll an, in welch unwirtliche Gegend wir sie hier gebracht hatten. Sie machten den Anschein, als wollten sie uns zu sich rufen, um ein gemeinsames Biwak einzurichten und den offensichtlichen Weltuntergang irgendwie zu überstehen versuchen.
Schnell ein oder zwei Versuche, noch irgendetwas mit der kamera festzuhalten und dann (besonders den Hunden zuliebe) so schnell es ging runter vom Gipfel! Leider hatte ich die Kamera sofort nach den Beweisbildern wieder demontiert und in der tasche verstaut, dadurch konnte ich den uns vom Gipfel verfolgenden Fuchs dann nicht mehr bildlich einfangen. Ich hatte auch eher Sorge, dass er einen unserer kleinen Vierbeiner für ein großes Fresschen halten und angreifen könnte. Ein Grund mehr, den Gipfel zügig zu verlassen.
Erst knappe 200 Meter tiefer schien der Wind dann langsam von uns ab zu lassen. Für den Rückweg entschied ich, dasss wir die Brockenstraße nahmen. Der Weg war zwar länger, jedoch deutlich leichter einseh- und begehbar, als wenn wir bergab nochmals den Eckerlochstieg zu bewältigen versucht hätten.
Unser stolzer kleiner Rüde war offenbar übermäßig geschafft von der Aufregung. Erst an dieser Stelle sprach meine Freundin Klartext und erzählte mir, dass er vermutlich noch ein wenig Magendarmgrippe oder ähnliches hätte. Diese Information vorher klar zu formulieren wäre mir sichtlich lieber gewesen, dann hätte ich ihn zu seinem eigenen Wohl zuhause gelassen! Nun ja, immerhin durfte er sich dann fast den gesamten Rückweg tragen lassen, schön dick in meinen Schal eingemummelt auf dem Arm der Freundin. Unsere kleine Dame hielt derweil tapfer und recht fröhlich bis zum Ende durch.
Zurück auf dem Parkplatz in Schierke waren wir geradezu irritiert, wie warm es hier unten doch war. Da uns aber noch eine lange Rückfahrt bevorstand, packten wir schnell unser zeug und fuhren direkt von dannen.

Auf der Suche nach einer Tankstelle gab es dann noch ein schönes Erinnerungsfoto von den Staatsbeamten, na klasse! Dabei war ich nichtmal gerast. Ich habe mich lediglich zur Benzinersparnis rollen lassen und sogar soviel gebremst, wie ging, ohne in gefühltes Schleichen auf der leeren Bergstraße zu verfallen. Das war dann wohl aber doch ein paar km/h zuviel des Guten :-(
Das Benzin, das ich mir dann beim Tanken noch über die Schuhe gegossen hatte, rundete den Ausflug dann entsprechend ab: Die nächste Stunde fuhren wir mit leicht geöffnetem Fenster und lauschten dem Rauschen des Windes, während die frische Luft den Benzigestank in der Fahrgastzelle bekämpfte.
Aufgrund des langen Tages, der großen Anstrengung, der geringen Kalorienaufnahme und des angehäuften Schlafmangels bedurfte es dann kurz vo der heimkehr zwangsweise nochmals eine kurzen Rast auf einem Autobahnparkplatz. 15 Minuten Pause, Beine vertreten und Wasserlassen halfen dann aber, die letzten 20 Minuten Fahrt heil zu überstehen und so standen wir kurze Zeit später, gegen 00:30 Uhr wieder vor der haustür und konnten nach schneller Auspackaktion unserer Sachen schließlich erschöpft ins Bett fallen.

Den Hunden geht es beiden bestens, uns auch und der Brocken ist somit nun abgehakt. In den Harz müssen wir emnächste dennoch zurück, denn der Wurmberg, Niedersachsens höchster Gipfel, steht ja auch noch aus. Zwar ist er nur einen Steinwurf vom Brocken entfernt, aufgrund der zeitlichen Problematik konnten wir die beiden Gipfel diesmal jedoch nicht in einer Tour verbinden. Aber so ist es doch auch schön, ein Grund für noch einen Ausflug nach Schierke hätten wir dann ja schon… oder zumindest in die Nähe.

Helpter Berg – Gipfelsturm gescheitert

Es war etwa 19 Uhr, als wir es einsahen: “Wir müssen zurück, das wird nichts mehr. In der Dunkelheit den Hauptweg verlassen wäre einfach nur unsinnig.”

Was war schiefgegangen? Eigentlich eine Menge! Zunächst mal waren wir am Samstag morgen viel zu spät von Bremen aufgebrochen. Wäre die Aktion länger geplant gewesen, wäre Abfahrtzeitpunkt etwa 8 Uhr angesetzt worden. Da wir mangels ausreichend reisetauglichem Auto die Aktion aber wieder abgebrochen hatten, verhinderte der Freitagabend-Partyausflug einen frühen Aufbruch. Nun hatten wir zwar spontan doch ein größeres Auto, verließen Bremen aber erst gegen etwa 13:30 Uhr, Fehler Nummer 1!

Auf halbem Wege bemerkte dann meine Freundin, dass die Autobahn sehr dicht an der Ostseeküste vorbeiführte. Da sie unbedingt mal wieder Meer sehen wollte, die Hunde einen kurzen Gassigang vertragen konnten, ich kein Miesepeter sein wollte und sie mir versicherte, dass der Stopp nur 5 Minuten dauern würde, ließ ich mich überreden. Fehler Nummer 2! Denn meine Freundin zeigte mal wieder ihr ganzes Repertoire an “Unfähigkeit im Umgang mit Kartenmaterial und Navigationsgeräten”. Obwohl ich ihr mehrfach meine Vorraussetzungen aufgezählt hatte, ihren Wunsch zu erfüllen, hatte sie es weder geschafft die Wegzeit richtig einzuschätzen, noch einen sinnvollen Zielpunkt auf der Karte auszumachen und schon garnicht schnell anhand der Karte Ansagen zu machen, wo ich hinmusste. Als wir dann nach etwas mehr als den versprochenen fünf Minuten in Wismar eintrafen, dauerte es zunächst weitere 10 Minuten, bis sie uns erfolgreich in eine Sackgasse im Hafengebiet vor irgendwelche Lagerhallen manövriert hatte. An dieser Stelle griff ich entnervt nach ihrem Smartphone und zeigte ihr in Sekundenschnelle auf der Karte einen Punkt, der eigentlich für jeden normal denkenden Menschen sofort als ein Zugangspunkt zum Wasser auch für Touristen aussen dürfte. OK, tief durchatmen, dachte ich mir. Ich versuchte in den anschließenden zehn Minuten Fahrt Ruhe zu bewahren, während sie uns dreimal fast in die falsche Richtung lenkte, weil ihre Reaktionsgeschwindigkeit im Wegansagen beeindruckend lahmarschig war… Am Ende kamen wir am gewünschten Platz an, verbrachten dort natürlich zehn statt fünf Minuten (Madame muss ja bei dieser Gelegenheit auch gleich noch mal ganz dringend) und hatten statt eines Fünf-Minuten-Absterchers mal locker 40 Minuten lang die Autobahn verlassen.

Schließlich am ersehnten Ziel dann nochmals eine Verfahraktion (wieder aufgrund unglaublich kreativer Wegerkennungsunfähigkeiten Frauenseits… mal ehrlich, die Frau erfüllt doch beschämend deutlich genau das Klischee, dessen Frauen der ganzen Welt sich heftig zu wehren versuchen, grrr!) und endlich, pünktlich zum Sonnenuntergang um 18 Uhr, stiegen wir am Fuße des Helpter Bergs aus unserem Auto.

Fehler Nummer 3 wurde dann auch schnell klar: Ich hatte keine Taschenlampe. Gut, ich muss hier leider ein Schuldeingeständnis machen. Nein, nicht, die Taschenlampe vergessen zu haben. Mein Fehler war, meine Freundin darum zu bitten, ihr Smartphone aufgeladen mitzunehmen, da es sowohl Navigationssystem, GPS als auch eine Taschenlampe besitzt. Leider habe ich ihr nicht die Bedeutsamkeit ihres Werkzeugs ausreichend deutlich gemacht und genau das war hier nun mein Vergehen. Denn was tut eine smartphonebesitzende Frau, während ihr Partner die 4-5 Stunden konsequent durchhaltend tapfer das Lenkrad schwingt und sogar einen spontanen Abstecher in Kauf nimmt? Richtig, sie surft, chattet per Whatts App und tippelt sinnfrei und dauerhaft auf ihrem HiTec-Fernsprecher rum, um offenbar mutwillig darauf zu bauen, dass der Akku bei Ankunft am Ziel auch hoffentlich so leer wie nur möglich ist.
So kam es dann, dass wir auf unserem Fußmarsch in rasch zunehmender Dämmerung letztlich komplett auf die Taschenlampe verzichteten und die GPS-Funktion immer nur ganz kurz an jeder Weggabelung zückten. Anmerkung: “Ganz kurz” ist hierbei in Frauendenkweise zu verstehen: Frau nimmt Smartphone, aktiviert Routenfunktion mit GPS, wenn die Verbindung steht wird erstmal endlose Sekunden überlegt, welche Tasten man nochmal drücken musste und dann nochmal sich gefragt, ob nicht genau jetzt der richtige Zeitpunkt wäre, mal völlig neue Funktionen innerhalb des GPS auszutesten. Wenn dann erfolgreich die Karte angezeigt hat, welcher Weg der Gabelung der richtige ist, wird noch eine gefühlte Minute auf das grell leuchtende Display gestarrt und sowohl fröhlich Akku verbraten, als auch mit Nachdruck dafür gesorgt, dass Frauens Augen auch ja die nächste Minute wieder auf grelle Lichtverhältnisse eingestellt sind. Jaja, ist schon spannend, wie sich die Augen immer hin und her umgewöhnen können und wie lange das manchmal dauern kann…
OK, Finsternis! Der Weg geht wieder bergab, das kann nicht richtig sein. Die Koordinaten des Gipfels sind nicht ganz stimmig. Vermutlich mussten wir an dem einen Holzpfahl links des Hauptweges abbiegen, nur leider war dort kein (nachts) erkennbarer Weg gewesen. Bei mehr Licht oder mit Taschenlampe hätten wir, nachträglich nochmal Karten und Erinnerungen vergleichend, vermutlich genau an diesem Punkt einen schmalen Waldweg erkannt, der uns innerhalb von etwa 5 Minuten zum Gipfelkreuz geführt hätte.
Hatten wir nicht, haben wir nicht, taten wir nicht, wussten wir nicht. Fakt in diesem Moment: Es war 19 Uhr, die Sonne war vor etwa einer Stunde untergegangen, wir kannten das Gelände nicht und hatten keine wirkliche Orientierungshilfe außer dem Hauptforstweg, den ich in der Dunkelheit auch nur noch in erster Linie am Gefühl unter den Stiefeln erkannte. Zeit für den Rückzug zum Auto.

Dort angekommen (Ortszeit 19:30 Uhr) schalteten sich vor uns plötzlich zwei Taschenlampen ein und der “örtliche Forstwächter” oder wie auch immer sich der Herr bezeichnete, fragte uns mit behördlicher Wichtigtuerei, was wir denn nachts im Wald zu suchen hätten. Er wies darauf hin, dass das Betreten des Waldes nachts verboten sei, was uns beteuerlicherweise nicht bekannt gewesen war. Da dies aber bundesweit so sei, wie er uns mitteilte, hätten wir das seiner Meinung nach aber wissen können. Außerdem hatte es in der Gegend wohl schon oft Fälle von unerlaubter Wildjagd gegeben und er habe sich zur Prüfung unser Kennzeichen natürlich aufgeschrieben. Mein Hinweis auf das Bremer Kennzeichen und somit unsere klare Unkenntnis von diesen örtlichen Vorfällen von “Wilderei” schmetterte er ebenfalls ab mit Zeitungsberichten und ähnlichem. An dieser Stelle überlegte ich angestrengt, wann ich zuletzt in einer Bremer Lokalzeitung oder der Tagesschau etwas über illegale Jagd in der Pampa Mecklenburg-Vorpommerns gelesen hatte…. ich glaube, mein letztes Nachrichten-Waldthema, dessen ich gewahr war, war der “Problembär” von damals, den man, meiner Meinung nach absolut sinnentfreiter Argumentation nach, schließlich notwendigerweise erschießen musste… und der gemeinte “Problembär” war damals nicht Ottfried Fischer! Der durfte in allen Zeitungen seine gekauften Sexeskapaden mitteilen, die sicher niemand überhaupt je hören wollte! Und in Mecklenburg-Vorpommern hatte sich sowieso definitiv weder die eine, noch die andere Geschichte abgespielt…
Egal, zurück zum Thema. Es wäre auf jeden Fall auch zu unserem Schutz, wurde uns gesagt. Denn womöglich hätte der Herr uns mit einem Rotwild verwechseln und vom nahen Stand aus erschießen können. Langer Rede kurzer Sinn: Wir entschuldigten uns immer wieder für die Umstände und unser Unwissen, ertrugen die mahnenden Worte und die Ankündigung einer möglichen Weiterleitung unseres Kennzeichens und somit einer irgendwann eintrudelnden behördlichen Aufforderung zur schriftlichen Rechtfertigung unseres Verhaltens am Helpter Berg, durften dann unsere Sachen im Auto verstauen und unter Beobachtung durch seine Majestät, des namentlich sich nicht vorgestellten Forstheinis von dannen ziehen.

Rückfahrt dann problemlos und etwa mitternächtliche, etwas erschöpfte Heimkehr. Da hatten auch McDonald’s und Energy nicht mehr gegenanhelfen können nach der ganzen Aktion.

Abschließend habe ich heute morgen natürlich nochmal gegooglet und stieß auf das Landeswaldgesetz, welches meine persönliche Annahme untermauerte, dass Herr Forstmann lediglich heiße Luft von sich gegeben hatte. Das “Verbot zum Betreten von Wäldern eine Stunde nach Dunkelheit” passte einfach von Anfang an nicht in mein Verständnis von meinem Recht auf Freiheit in einem demokratischen Land, sondern klang für mich eher nach veralteter DDR-Denkweise eines Waldwichtigtuers irgendwo in einem Kaff in Mecklenburg-Vorpommern. Ich zitiere mal kurz die wichtigsten, unser Verhalten betreffenden Paragraphen:

§ 28

Betreten des Waldes

(1) Jedermann darf den Wald zum Zwecke der Erholung betreten. Für das Betreten des Waldes darf kein Entgelt erhoben werden.

(3) Das Betreten des Waldes erfolgt auf eigene Gefahr. Wer den Wald betritt, hat sich so zu verhalten, dass die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung des Waldes nicht gestört, der Wald nicht gefährdet, beschädigt oder verunreinigt sowie die Erholung Anderer nicht beeinträchtigt wird. Die Waldbesitzer haften insbesondere nicht für… …Gefahren, die dadurch entstehen, dass… …Wald in der Zeit von einer Stunde nach Sonnenuntergang bis einer Stunde vor Sonnenaufgang (Nachtzeit) betreten wird,…

Zitat Ende.

Viel heiße Luft also. Wer den ganzen Paragraphen 28 des LWaldG lesen will, schaue bitte im oben genannten Link selber nach. Ich bin derweil mal gespannt, ob tatsächlich irgendeine Behörde sich die Mühe machen wird, uns zu fragen, was wir denn nachts im Wald (auf den Wegen!) zu suchen gehabt hätten. Stasi lässt grüßen? Naja, den nächsten Versuch für den Gipfelsturm auf den Helpter Berg wirds vermutlich dann erst nächstes Jahr wieder geben. Und dann mit Sicherheit bei Tageslicht. Aber auch nur, damit nicht wieder irgendwer sich aufspielen kann.

Kurzer Besuch auf dem Bungsberg

Viel bleibt nicht zu sagen: Gestern erstieg ich den höchsten Punkt Schleswig Holsteins.

BungsbergVielleicht sollte ich noch hinzufügen, dass das Wetter super war, ich habe selbst im T-Shirt zu schwitzen begonnen. Ach ja, außerdem war der letztliche “Aufstieg” lediglich ein kurzer Marsch von einer Parkbucht kurz durch den Wald zum Elisabethturm – inklusive einer äußerst unansehnlichen Baustelle für irgendein angeblich spannendes neues Erlebnisprojekt in Gipfelnähe – und von dort, nach leichten Wegfindungsschwierigkeiten, schließlich zum Gipfel.

Gipfel. 168 Meter. Nach einem Anstieg von vermutlich gerade mal 30 Metern über eine Waldstraße. Ein Weg von etwa 20 Minuten Dauer. Hmm, na wir sprechen ja schließlich auch nicht von den Alpen. Dennoch, man hätte mich vorwarnen können, dass die letzte Parkmöglichkeit vor dem finalen Fußmarsch gleich neben dem Gipfel ist. Nicht gerade eine Herausforderung. Größte selbige waren wohl eher die locker 20 Grad Außentemperatur und die geradezu grelle Sonne auf dem Gipfel, die mich im Winter ohne Sonnenbrille vermutlich schneeblind gemacht hätte.

Wie dem auch sei, Gipfel Nummer 4 ist damit abgehakt, ein Viertel also geschafft. Viele kleine Hügelchen bleiben nicht mehr, bald wird der Sprung von unter 200 auf über 600 Meter kommen und ich sehne ihn nach der Spaziergangserfahrung in der Holsteinischen Schweiz mehr als herbei.

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