8000+: Aufbruch in die Todeszone

Ueli Steck war ein neuer Name auf meiner Autorenliste. Doch nachdem er mir in letzter Zeit regelmäßiger unter die Augen getreten war, wollte ich einem seiner Werke mal eine Chance geben. Da ich ein ganzes Buch über Speedklettern wenig verlockend fand, entschied ich mich stattdessen lieber für – 8000+: Aufbruch in die Todeszone -. Außerdem fand ich das Titelbild recht hübsch, da es ja draußen langsam kühler wird :-)

Gleich der Anfang des Buches vermittelte einen guten Eindruck. Steck beschreibt seine letzten Schritte unterhalb des Everest-Gipfels sehr bildhaft und nachvollziehbar bis hin zu seinem Entschluss des Abbruchs, nur hundert Meter unter dem höchstem Punkt der Welt. Ein sehr packender, atmosphärisch stimmiger Anfang, der auf mehr hoffen ließ.

Leider wurde das Buch anschließend etwas träge und sehr knapp in seinen Beschreibungen. Doch was soll man auch anderes erwarten von einem Buch, das auf nur 256 Seiten gleich diverse Achttausenderexpeditionen abhandelt? Ein schneller Zusammenschnitt kurzer, spannender Momente, doch letztlich irgendwie auch nur eine Aneinanderreihung von vberschiedenen Schilderungen von starkem Schneefall, Wind und Nebel. Zwischendrin Erinnerungen an Solounternehmungen, das Wachsen des Charakters des Autors, Ausflüge mit der Freundin bzw. Frau (die Hochzeit wird ebenfalls im Buch erwähnt) und der Verdacht, dass Ueli Steck einen recht profitablen Sponsoringvertrag mit dem Hersteller eines gewissen blau-Silber gelabelten Energy Drinks hat, denn dass selbiges Getränk recht hilfreich zur Seite stand, bemerkte Steck in seinem Buch zwar nur selten, dennoch für meinen Geschmack doch immernoch ein bisschen zu deutlich.

Zum Ende wurde nochmals ein wenig von dem Feeling der Bucheröffnung aufgegriffen, doch der etwas langatmige Mittelteil hatte dennoch bereits seine Spuren bei mir hinterlassen. Eigentlich schade, da der Anfang wirklich Lust auf mehr gemacht hatte. Rückblickend auf den Großteil des Buches fallen mir nun aber kaum mehr Inhalte ein, von einigen spannenden Schlüsselmomenten abgesehen. Vielleicht waren es auch einfach nur zuviele Berge auf zu wenig verfügbaren Seiten, um den Überblick zu behalten und zu wissen, was wann wo passiert war. Ich weiß: Einiges hat geklappt, anderes nicht und Ueli Steck hat nach eigener Meinung inzwischen einen Gang zurückgeschaltet, ist quasi aus seiner Sturm und Drang-Zeit herausgekommen und etwas bedachter geworden.
Naja, zumindest las es sich besser als Kammerlanders rezitiertes Buch und wirkte auch weniger gezwungen unterhaltsam, wenn auch teilweise etwas belanglos. ISBN-13 978-3890294070 und das Ganze findet sich mal wieder bei Malik. Vielleicht lese ich ja noch ein zweites Buch von Ueli Steck und hoffe auf mehr anhaltende Stimmung…

Der Brocken: Stürmische Expedition bei Nacht und Nebel

Sachsen-Anhalts höchster Berg, 1141 Meter über Normalnull, ein Ort extremer Wetterbedingungen… der erste deutsche Berg mit über 1000 Metern Höhe, den ich in meine Gipfelliste eintragen darf!

Wir hätten am Freitag früher schlafengehen sollen, nicht erst um 4 Uhr morgens! Ich hätte mich dann wenigstens irgendwie zwingen müssen, ab 9 Uhr Uhr weiterzuschlafen! Ich hätte die Aktion vielleicht abblasen sollen, als wir beide erst nach 12 Uhr aus dem Haus gekommen sind! Ich hätte bei der merkwürdigen Ausschilderung in der Baustelle auf der A39 sofort meine Freundin bitten sollen, den Routenplaner für eine aktuelle Info zu befragen, statt erst, als wir offensichtlich viel zu wet gefahren waren und den Harz schon wieder verließen.

So kam es also, dass wir erst gegen 15:40 Uhr vom Parkplatz in Schierke aufbrachen. Aufgrund einiger Unstimmigkeiten entschieden wir uns quasi im Gehen spontan für einen Weg zum Gipfel des Brockens, mitten im Harz: Den Eckerlochstieg.

Zusammenfassend war es definitiv ein toller Weg, man folgt einem Bachbett mitten durchs Gehölz, auf welchem man wasser- und trittfestes Schuhwerk dabei haben sollte. Immerhin das hatten wir an diesem Tag bedacht. Die Skihosen hatten wir glücklicherweise im Auto gelassen, winddichte Kleidung und Mützen und Handschuhe, sowie Thermodecken für die Hunde hatten wir aber vorrausschauend in den Rucksack gepackt, was sich später als gute Entscheidung herausstellen sollte.
Schwieriger war die Wegfindung bei zunehmender Dämmerung. Irgendwann gab meine Kamera angesichts der Lichtverhältnisse tatsächlich auf. Manch erfolgreiche Auslösung bedurfte sowieso Belichtungszeiten von manchmal  um die 2 Sekunden, da konnte das eh nichts mehr werden. Derweil bewegten wir uns durch zunehmend graue und schließlich praktisch schwarze Umgebung. Aus unserem Misserfolg am Helpter Berg erleuchtet, hatten wir diesmal aber namentlich etwas zur Erleuchtung mitgebracht: Die Taschenlampe in den Händen meiner Liebsten leistete gute Dienste, zumal der Weg ab spätestens 850 Metern Höhe tatsächlich recht spannend zu werden begann.
Am Ende kamen wir in nächtlich anmutender Dunkelheit wieder aus dem Unterholz heraus und trafen erneut auf die Brockenstraße, von welcher wir zu Anfang aus den Eckerlochstieg erreicht hatten.
Der Straße folgend erreichten wir dann gegen 18 Uhr schließlich den Gipfel. Auf den letzten Anstiegsmetern vor dem Plateau empfing uns ein Ambiente, dass sowohl in einen Agententhriller, als auch in einen Horrorfilm gut gepasst hätte: Vor nachtschwarzem Himmel erleuchteten Flutlichtlaternen das weite Feld und färbten den allgegenwärtigen Nebel um den Brockenbahnhof und die Wetterstation in ein bedrohlich gruseliges orange mit tiefen Schatten. Dazu ein heulender Wind, der mit jedem Meter weiter auf das Gipfelplateau zunahm und schließlich einem Sturm glich. Im tosenden Lärm des Windes freute ich mich, dass meine Kleidung ihr Geld offenbar wert war. Gespräche mit der Freundin waren jedoch eher Gebrüll, um das Getöse überhaupt zu übertönen. Als wir dann schließlich den vollends exponiert liegenden Gipfelstein erreichten, legte der Wind nochmal eine Schippe drauf und unsere beiden treuen Kläffer verzogen sich zwischen den Aussparungen des Gipfelsteins und wimmerten uns vorwurfsvoll an, in welch unwirtliche Gegend wir sie hier gebracht hatten. Sie machten den Anschein, als wollten sie uns zu sich rufen, um ein gemeinsames Biwak einzurichten und den offensichtlichen Weltuntergang irgendwie zu überstehen versuchen.
Schnell ein oder zwei Versuche, noch irgendetwas mit der kamera festzuhalten und dann (besonders den Hunden zuliebe) so schnell es ging runter vom Gipfel! Leider hatte ich die Kamera sofort nach den Beweisbildern wieder demontiert und in der tasche verstaut, dadurch konnte ich den uns vom Gipfel verfolgenden Fuchs dann nicht mehr bildlich einfangen. Ich hatte auch eher Sorge, dass er einen unserer kleinen Vierbeiner für ein großes Fresschen halten und angreifen könnte. Ein Grund mehr, den Gipfel zügig zu verlassen.
Erst knappe 200 Meter tiefer schien der Wind dann langsam von uns ab zu lassen. Für den Rückweg entschied ich, dasss wir die Brockenstraße nahmen. Der Weg war zwar länger, jedoch deutlich leichter einseh- und begehbar, als wenn wir bergab nochmals den Eckerlochstieg zu bewältigen versucht hätten.
Unser stolzer kleiner Rüde war offenbar übermäßig geschafft von der Aufregung. Erst an dieser Stelle sprach meine Freundin Klartext und erzählte mir, dass er vermutlich noch ein wenig Magendarmgrippe oder ähnliches hätte. Diese Information vorher klar zu formulieren wäre mir sichtlich lieber gewesen, dann hätte ich ihn zu seinem eigenen Wohl zuhause gelassen! Nun ja, immerhin durfte er sich dann fast den gesamten Rückweg tragen lassen, schön dick in meinen Schal eingemummelt auf dem Arm der Freundin. Unsere kleine Dame hielt derweil tapfer und recht fröhlich bis zum Ende durch.
Zurück auf dem Parkplatz in Schierke waren wir geradezu irritiert, wie warm es hier unten doch war. Da uns aber noch eine lange Rückfahrt bevorstand, packten wir schnell unser zeug und fuhren direkt von dannen.

Auf der Suche nach einer Tankstelle gab es dann noch ein schönes Erinnerungsfoto von den Staatsbeamten, na klasse! Dabei war ich nichtmal gerast. Ich habe mich lediglich zur Benzinersparnis rollen lassen und sogar soviel gebremst, wie ging, ohne in gefühltes Schleichen auf der leeren Bergstraße zu verfallen. Das war dann wohl aber doch ein paar km/h zuviel des Guten :-(
Das Benzin, das ich mir dann beim Tanken noch über die Schuhe gegossen hatte, rundete den Ausflug dann entsprechend ab: Die nächste Stunde fuhren wir mit leicht geöffnetem Fenster und lauschten dem Rauschen des Windes, während die frische Luft den Benzigestank in der Fahrgastzelle bekämpfte.
Aufgrund des langen Tages, der großen Anstrengung, der geringen Kalorienaufnahme und des angehäuften Schlafmangels bedurfte es dann kurz vo der heimkehr zwangsweise nochmals eine kurzen Rast auf einem Autobahnparkplatz. 15 Minuten Pause, Beine vertreten und Wasserlassen halfen dann aber, die letzten 20 Minuten Fahrt heil zu überstehen und so standen wir kurze Zeit später, gegen 00:30 Uhr wieder vor der haustür und konnten nach schneller Auspackaktion unserer Sachen schließlich erschöpft ins Bett fallen.

Den Hunden geht es beiden bestens, uns auch und der Brocken ist somit nun abgehakt. In den Harz müssen wir emnächste dennoch zurück, denn der Wurmberg, Niedersachsens höchster Gipfel, steht ja auch noch aus. Zwar ist er nur einen Steinwurf vom Brocken entfernt, aufgrund der zeitlichen Problematik konnten wir die beiden Gipfel diesmal jedoch nicht in einer Tour verbinden. Aber so ist es doch auch schön, ein Grund für noch einen Ausflug nach Schierke hätten wir dann ja schon… oder zumindest in die Nähe.

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