Climbing Free: In den steilsten Wänden der Welt

Lynn Hill!

Zum ersten Mal hörte ich diesen Namen im Fim – First Ascent – , wo mir in erster Linie der Begriff “Kletterlegende” in Erinnerung geblieben ist. Was soll man von so einem Titel halten, der unter eines Kletterers Namen steht? “Doktor der Neurobiologie” ist ein Titel, “Bestsellerautor” ist auch etwas, worunter ich mir etwas vorstellen kann. Doch was macht eine “Legende” im Klettern aus, dass ihre Bekanntheit dennoch bis dahin nicht an die Ohren eines Kletterfrischlings wie mir gedrungen war? “Reinhold Messner” sagt mir seit meiner Kindheit etwas, schon lange bevor ich wusste, was Klettern für Begriffsdeutungen auweist. Als was gilt dann der Reinhaold? Klettergott? Bergsteigerprophet? Egal, jetzt geht es um Lynn…

Ehrlich gesagt, habe ich mir das Buch zunächst deshalb gekauft, weil ich einfach kein ansprechender klingendes Buch mehr finden konnte und dringend neuen lesebedarf hatte. Ach ja, außerdem wollte ich etwas, dass nicht (nur) von Schnee und Eis handelte. Das hebe ich mir, der Stimmung halber, lieber für die Wintermonate auf. Auch hatte ich etwas Angst vor dem Buch aus der Feder einer Frau. Ja, es tut mir Leid, aber ich habe da schlechte Erfahrungen gemacht. In verschiedenen Genres haben mir Frauenwerke eindrucksvoll gezeigt, dass Frauen und Männer oft sehr unterschiedlich denken (nichts neues). Bei diversen dieser gelesenen Bücher haben mir jedoch einige extrem weibliche Schreibzüge einfach nur Verzweiflung erbracht und mich haufenweise Nerven gekostet. Und bevor jetzt hier jemand Frauenfeindlichkeit zu erkennen meint, bitte ich zu bedenken, dass ich hierbei einfach von persönlichem Geschmack rede und absolut akzeptieren kann, dass die mir nicht schmacklichen Dinge anderen Lesern mit Sicherheit gerade ein Silberstreif solcher Bücher sind. Also genug davon und schnell zurück zu – Climbing Free – .

Und was soll ich da noch sagen? Wenn eine Frau sich in eine (damalige) Männerdomäne begiebt, dort so einige der großen Jungs alt aussehen lässt und schließlich einiges schafft, was eben solche Testosteron-Giganten nie für möglich gehalten hätten, dann war ja zu hoffen, dass sie insgesamt kein “typisches Mädchen” sein dürfte. Nein, Lynn Hill zeigt in ihrem Buch, dass sie sich nicht von den schweren Jungs beeindrucken lässt und wenn einer von denen behaupten zu müssen glaubt, Frauen wären irgendwo im Klettern den Männern unterlegen, holt sie nochmal richtig aus und belehrt sie direkt eines Besseren.

Das Buch hat leicht autobiographischen Charakter und zeigt den langen Weg der Lynn Hill von Kindheitserfahrungen in einer Großfamilie und als Scheidungskind, über den Einzug in die Gruppe der Yosemite-Locals und so manchen Berufsabstecher zur Lebensfinanzierung, bis hin zur Weltspitze im Klettern, der Teilnahme an Rekord- und Wettkampfsendungen und der Zeit, als ihr klar wird, dass die Zeiten des Wettkampfes vorbei sind.

Ich weiß garnicht, was ich aus dem Buch erzählen soll. Ich hatte nach dem Lesen tatsächlich das Gefühl, an einem ganzen Leben teilgehabt zu haben. Natürlich hat es auch die ein oder andere holperige Passage, ist hier und da vielleicht mal etwas langatmig melancholisch und an anderer Stelle dann wieder zu abrupt, doch derartige Stellen sind nach meinem Rückblick eher die Ausnahme. Den größten Teil des Buches war ich gespannt, was Lynn mir noch alles zu berichten hat über die große Eroberungszeit im Freeclimbing. Über die herausstechenden Charaktere ihrer Zeit, deren Aktionen teilweise beeindruckten, teilweise schockierten und deren Lebensumstände (Yabo) manchmal einfach nur zu bedauern waren.

Ich kann das Buch jedenfalls empfehlen, mit 320 Seiten bekommt man da für sein Geld außerdem eine Menge vom MALIK National Geographic-Verlag unter der ISBN 978-3492404020. Und eins ist für mich klar: Gleich das erste Kapitel sollte jedem Kletterkursteilnehmer im Anschluss an seine Kletterscheinprüfung mitgegeben werden, denn ich habe lange kein so klares Statement zum Thema ”Partnercheck” gelesen, wie Lynn Hills Eröffnungskapitel über ihren beinahe tödlichen Absturz auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, weil sie einfach vergessen hat, ihren Knoten zu binden!

Wirklich oben bist du nie

Das zweite Buch von Peter Brunnert! Endlich habe ich mich getraut, es mir zu kaufen! Nun gut, ehrlich gesagt gingen mir nur die Ideen aus, welches Buch es sonst als nächstes noch sein dürfte.

Also, was gibt es zu sagen? Ja, es ist nicht sein bestes Buch. Ja, es sind weniger Erfahrungsberichte mit lustigen Klettererlebnissen niedergeschrieben. Aber ist das denn grundsätzlich schlecht? Natürlich sind besonders Peters Geschichten vom Fels großes Humorkino, doch der Mann hat sich merklich weiterentwickelt. Zynischer, analysierender, mehr die allgemeinen Tatsachen beschreibend und bewertend, als ständig nur seine eigenen Unfähigkeiten und Zwischenfälle. Warum denn nicht?

Definitiv gefiel mir die Mischung in seinem dritten Buch besser, nichts desto trotz enthält – Wirklich oben bist du nie – allein schon mit “Fickmatten” eine meiner absoluten Lieblingsgeschichten. Und im Gesamtüberblick seiner Bücher ist dieses Werk ein guter Ausgleich für sein Erstlingswerk – Wir müssen da hoch -, um von reiner Selbstironie weg auch zu anderen unseres Menschenschlags zu kommen und kritisch zu reflektieren.

Wer es nicht zynisch mag, ist bei Peter Brunnert vermutlich allgemein schlecht aufgehoben. Wer über die eigenen Pannen rückblickend herzlich lachen kann, wird sich in Peter Brunnerts Werken sicher oft wiedererkennen und mit seinem zweiten Buch dann auch mal ein wenig entspannen können, um doch auch etwas frech über andere zu grinsen. Im Bücherregal des Brunnert-Fans ist es eindeutig Pflicht, also sucht in diesem Fall schnell nach der ISBN 978-3-936740-29-5 und der allseits beliebte Panico-Verlag wird euch mit 190 Seiten belohnen, die den Platz zumindest nicht rauben, selbst wenn die Buchnabarn noch etwas besser sein mögen.

Neulich am Ith

Nur kurz zusammengefasst: Marienau ist eine schöne Ecke zum Klettern. Bei gut sanierten Routen ist natürlich der Andrang etwas größer, aber speziell um Marc mal echten Fels näher zu bringen war das natürlich super. OK, meine Freundin und ich waren zwar vorher schonmal dort, aber da hat das Zeitmanagement die Klettermöglichkeiten etwas behindert, Pech.

Viel störender war die Tatsache, dass die Fünfer so läppisch waren, dass ich sie beim nächsten Besuch zum Warmmachen vermutlich Solo klettern wollen würde, die 6- war ein geschmeidiger Onsight-Durchgang, doch dann bei der angestrebten 6 wollte trotz aller Gelassenheit auch in der Schlüsselstelle schlicht und einfach an zwei sloperigen Stellen die Patsche einfach ums Verrecken keinen Halt finden. Nun, da die Kondition auch etwas zu wünschen übrig ließ wurde es auch nicht mehr besser und somit gibt es ein schönes Projekt fürs nächste mal. Rotpunkt muss nunmal sein!

Ein kleiner Abseilexkurs dann zwischendrin nochmal für den taufrischen Toproper in der Gruppe und trotz aller Gewitterwarnungen war dann ein viel zu kurzer Klettertag (vom eigenen Schweiß abgesehen) dann doch trocken überstanden. Notiz an mich selbst: Die Freundin soll beim nächsten mal weniger maulen und stattdessen mehr selbst tragen. Auf dem Zustieg bei schwüler Hitze ist der Materialrucksack doch ziemlich schwer, wenn man sich zu einer “Abkürzung” überreden lässt. Na wenigstens gabs wilde Himbeeren…

Gleitschirm Schnupperkurs

Montag und Dienstag haben meine Freundin und ich einen Schnupperkurs bei flyart besucht.

Leider war Tag 2 von starken Windböen überschattet, somit blieb uns am Ende nur ein praktischer Kurstag, an welchem es uns gerade einmal gelang, mit unseren Schirmen den oberen Übungshang hinunter zu laufen, ohne jedoch ernsthaft den Boden unter den Füßen zu verlieren. Dennoch war es ein spannendes Erlebnis und hat Lust auf mehr gemacht. Leider stellt sich hierbei die Frage, wieviel Zeit und Geld man in entsprechende Kurse und Ausrüstung zu investieren bereit ist, wenn man den Großteil der nahen Zukunft in Bremen zu verbringen gedenkt…

Die Unterkunft war nebenbei bemerkt äußerst ansehnlich und da die umliegende Natur sehr schön war, steht die Überlegung ins Haus, wieder dort zu buchen. Vorher möchte ich aber noch prüfen, ob es in der Nähe ein paar Sportkletterrouten zu erobern gibt, oder sogar die eine oder andere Tour.. Diverse kleine Berge gibt es dort ja zumindest schonmal, da muss doch auch mehr als nur Wandern möglich sein. Ich werde mal recherchieren :-)

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