The Network

“Anna Stöhr in einem Kletterfilm, muss ich haben!”, dachte ich.

Falsch gedacht. Hinterher fand ich, der Film war ein Fehlkauf. Ein langes Musikvideo vielleicht, doch mein Musikgeschmack war es auch nicht. Irgendetwas, das klang wie… Elektro-Rock? House-Metalcore? Keine Ahnung, es hat bestimmt einen Namen, doch meine Ohren möchten den vermutlich auch nichtmal kennenlernen.
Und selbst als Musikvideo ist es letztlich doch irgendwie wieder ungeeignet aufgrund der häufigen Beiträge der Protagonisten, die jedoch auch erstaunlich wenig Tiefgang boten. Naja, Sportler sind ja auch eher selten für ihre literarischen Fähigkeiten bekannt, was? Schade, ich dachte, bei Kletterrern wäre das anders, aber jede Medaille hat nunmal zwei Seiten.
Klettern wurde übrigens auch nicht gezeigt, zu ca. 99,8% handelte es sich um Bouldern. Entschuldigung, aber das kann man doch draufschreiben, oder? OK, bei Namen wie Anna Stöhr, Kilian Fischhuber und Danile Woods erwarte ich natürlich überwiegend Bouldern, aber wenn es ein “Kletterfilm” sein soll, kann man doch auch ein bisschen davon erwarten, oder ist das zuviel verlangt?
“Gezeigt” habe ich gesagt? Hmm, auch übertrieben. Jedenfalls habe ich wenig erkennen können, aber das lag vielleicht auch einfach nur an meinen Augen und/oder meinem Alter. Jedenfalls konnte ich in – Progression – ziemlich viel erkennen, auch von Daniel Woods’ Blöckelei in den Rocklands. Bei – The Network – hingegen konnte ich praktisch garnichts erkennen. OK, die Leute patschen, schnappen, hooken irgendwohin, aber wie das ganze Ding nun am Stück zu bouldern geht, kein Plan. Wo im problem die gezeigten Griffe waren und was für ein Griff danach kommt, kein Plan.

Ein Hin und Her zwischen ummpts ummpts-Musik, aussagelosem Gelaber, allen Kameratricks, die man zur Unkenntlichmachung von Bewegungsabläufen auffahren kann und Panoramaaufnahmen, die in HD sogar richtig gut aussahen (nur eben leider viel zu weitwinklig waren, um noch irgendeinen Griff am gefilmten Block erkennen zu können), lassen mich den Film nur aus Sammlergründen im Regal behalten, anstatt ihn zurück zu schicken und mein Geld zurück zu verlangen. Schade schade. Leute, das Ding war echt kein Meisterstück :-(
Da spar ich mir sogar einen Trailer-Link, sonst weckt der im einen oder anderen Blogleser womöglich ebenso falsche Hoffnungen, wie es bei mir der Fall war…

Auf Abwegen

Nach Westwand war ich gespannt, was Malte Roeper noch so geschrieben hat und stieß bei Amazon auf obigen Titel, der vom verheißungsvollen Untertitel – Bergsteigen und andere Zwischenfälle – geschmückt wurde.

Unterm Strich waren es 175 recht enttäuschende Seiten. Nach einer Rezension auf Amazon hatte ich ähnliches erwartet, wie Peter Brunnert es immer wieder so schön liefert: Klettergeschichten mit mindestens einem Hauch Selbstironie. Irgendwie habe ich aber die Klettergeschihcten in – Auf Abwegen – offenbar verpasst. Gefühlte 99% waren Geschichten eines Menschen, wie ich mir die Dauerbewohner des zeltplatzes Pierre d’Orthaz vorstelle, nach meinen Erfahrungen mit Maltes, oben erwähntem Roman. Es ist ein Buch über den Unwillen zu arbeiten, ein Buch über das unerlaubte Mitfahren auf Güterzügen wie ein Landstreicher, ein Buch über das Fahren per Anhalter. OK, es heißt ja schließlich auch “Auf Abwegen” und die werden dort deutlich beschritten. Doch der Untertitel hatte mich dennoch etwas mehr erwarten lassen.

Andererseits merkt man aus den beschriebenen Situationen sehr gut, woher Malte Roeper seine Inspiration für seinen Roman bezogen haben dürfte: Aus seinem eigenen Leben. Ich hoffe nur, er hat nicht aufch in Wirklichkeit soviel geklaut.

Wer es versuchen will, findet das Werk unter der ISBN 978-3-7633-7038-2 im Bergverlag Rother. Mein Favorit wird es eindeutig nicht, schade.

DAV Kletterschein Vorstieg

Nun haben wir das auch endlich hinter uns!

Seit heute sind meine Freundin und ich stolze Besitzer unserer Vorstiegsscheine. Danke nochmal an Michel aus der Linie7 in Bremen, der uns ertragen und die Prüfung abgenommen hat.

Ist jetzt Zeit für die Diskussion “Braucht man einen Kletterschein”? Sollte jedem selbst überlassen werden. Denn natürlich haben uralte Hasen keinen Bock, sich nach Jahrzehnten des Kletterns nun plötzlich einer recht unscheinbaren Prüfung unterziehen zu müssen. Wir kamen aber nicht dran vorbei, denn Bremen will ja richtungweisend sein und somit kann man praktisch nirgends im ohnehin flachen Bremen klettern, ohne so einen Schein vorzuweisen. Und ehrlich gesagt, es ist ja auch nicht unbedingt verkehrt für Anfänger, wenn man von jemandem eine ordentliche Einweisung in die Abläufe und Materialien bekommt und dann nochmal etwas strenger beäugt wird in seinem Tun. Immerhin geht es um die Gesundheit der Seilschaft.

Egal, es war ein Geburtstagsgeschenk für meine Freundin und nun ist das also abgehakt. Der Bunker kann kommen :-)

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