Am seidenen Faden: K2 und andere Grenzerfahrungen

Gestern war es vorbei. Die letzte Seite war gelesen und zurück blieben gemischte Gefühle.
Das Buch von Hans Kammerlander, über seinen langjährigen Kampf um die Besteigung des “Bergs der Berge” im Karakorum, ruht nun vorerst im Bücherregal. Ich derweil kann zwar eine Leseempfehlung aussprechen, jedoch (wie immer) nicht ganz ohne Kritik…

Nun ja, die Vergleichsliteratur ist auch recht bunt, da konkurriert Kammerlander mit dem offensichtlichen Alpinklassiker von Jon Krakauer, den dramatisch detaillierten Ausschmückungen Robert Steiners und natürlich zahlreichen Zynikerveröffentlichungen erster Güte aus der Feder von Peter Brunnert.
Mit letzteren ist ein Buch wie “Am seidenen Faden” dann aber auch eher schlecht vergleichbar, denn immerhin geht es bei Kammerlander um die ganz hohen Dächer der Welt und Expeditionen, die über viele Jahre gestreut liegen. Dennoch zeigen andere Bücher in meinem Regal, dass es auch anders geht.
Gut verstehen kann ich so manche Kritik am Buch zum Thema, dass Kammerlander sehr selbstverliebt auftrete. Ja, das tut er auch meiner Meinung nach hin und wieder. Eher in kurzen Einwürfen und Nebensätzen wird immer wieder mal angemerkt, wie offenbar locker dies und jenes für ihn doch war, während andere sich scheinbar schon in die Hosen machten. Selbstkritik klingt da deutlich verhaltener aus dem Buch hervor, zu finden ist sie aber auch, soviel muss man zugeben. Ich denke da an den Unwillen des Autors, sich für einen Bergsteigerfilm als Double noch ein x-tes mal in das schon arg strapazierte Seil fallen zu lassen, um dem Regisseur endlich mal Zufriedenheit abzuringen. OK, weniger Selbstkritik, eher nur wieder eine andere Darstellung geistiger Überlegenheit in Bezug auf das Wissen um das Klettermaterial, verglichen mit dem Wissen, welches der Regisseur vorzuweisen hat.
Die häufigen Zeitsprünge und Rückblenden sind teilweise etwas ruckelig und der rote Faden ging mir beim Lesen das ein ums andere mal auch immer wieder mal kurz verloren, aber im Großen und Ganzen fand ich dann doch recht schnell (so glaube ich) den Zusammenhang, den Hans Kammerlander herstellen wollte.
Im Vergleich zu oben genannten Büchern bin ich dann aber auch etwas enttäuscht, wie grob abgefasst, umrissen und nur kurz angeschnitten viele Erlebnisse sind, wo ich mir doch viel viel mehr Detailreichtum in der Schilderung hätte vorstellen können. An anderen Stellen kommen dann so kleine Detaileinwürfe völlig aus dem Zusammenhang. Diese wirkten auf mich tatsächlich manchmal so dilettantisch, als habe da ein Mittelstufenschüler einen Deutschaufsatz geschrieben und mal versucht, den “Stil beiläufig eingestreuter Details” größerer Schriftsteller nachzuäffen, aber nicht ganz verstanden, wie das wirklich funktioniert.
So holpert das Buch lange Zeit vor sich hin und während ganze Expeditionen im Schnelldurchlauf vorbeiziehen, unterbrochen von plötzlichen Ein-Satz-Hacksern zur amateurhaften Auflockerung und Verknüpfung der Szenen, oder auch Kurzgeschichten-Anekdoten aus anderen Teilen der Welt, sprang mir doch ein ums andere mal ein kleines Männlein auf meine Schulter und flüsterte mir ins Ohr: “Willst Du das Ding nicht doch einfach weglegen? Ist irgendwo bissel fad, findest Du nicht auch? Da gibts besseres.”
Hmm… doch gibt es das wirklich? Robert Steiner hat mich teilweise in den Wahnsinn getrieben mit seinen ausufernd pseudo-philosophischen Ergüssen, um manches Kapitel wohl noch etwas zu strecken. Krakauer hat derweil fast ein Tagebuch geführt, bei dem ich mir manchmal eine wärmere Jacke zum lesen herbeiwünschte, so nachvollziehbar wirkte selbst Belangloses. Aber sind das Vergleichsautoren? Was ist zum Beispiel mit Reinhold Messner? Vielleicht schreibt der ja viel grausiger und ich weiß es nur noch nicht (Asche auf mein Haupt).

Also backe ich vorerst wohl besser etwas kleinere Brötchen und gebe dem Buch zumindest eine Schulnote 2 bis 3. Und das tatsächlich auch mit dem Prädikat “lesenswert”. Wer weiß, vielleicht sind Hochalpinisten einfach allgemein nicht die größten Schreiber. Und Selbstverliebtheit werde ich auch keinem ankreiden. Auch wenn ich diese Eigenschaft nicht sonderlich schön finde, so kann ich mir doch vorstellen, dass dieser Charakterzug sicher nicht allzu selten bei Menschen azutreffen sein wird, die sich zumuten, einen Gipfel in der Todeszone erobern zu können. Und dann auch noch mit Skiern wieder abzufahren! Also ehrlich, lieber Herr Kammerlander, dafür von mir als Wintersportfreund auf jeden Fall einen ganzen Eimer voll Respekt.

Das 368 Seiten starke Buch “Am seidenen Faden: K2 und andere Grenzerfahrungen” von Hans Kammerlander gibt es übrigens beim Piper Verlag, ISBN-13 978-3492245944

Auf Hamburgs höchstem Gipfel

Heute haben meine Freundin und ich, zusammen mit unseren höhentauglichen Sherpa-Chihuahuas, den höchsten Punkt Hamburgs in Angriff genommen.

Bei herrlichem Sonnenschein ging es mit minimalen Orientierungsschqwierigkeiten automobil zum Tempelberg. Von dort aus sollte der Weg hinauf zum Gipfel des 116 Meter hohen Hasselbrack in den harburger Bergen dann doch keine Zauberei sein… so dachte ich. Leider war ich doch etwas zu sorglos in der Vorplanung und so standen wir schließlich irgendwo in der Pampa auf einem Parkplatz am Rande eines Naturschutzgebietes mit vielen Waldwegen und Hügeln in allen Höhenvarianten, jedoch keinem einzigen Hinweisschild, wo wir denn hin mussten. Nichtmal die einzige Menschenseele, die wir an diesem Vormittag dort antrafen, hatte überhaupt eine Ahnung, wo wir hinwollten. Nun gut, also sind wir einfach ins blaue gelaufen und mein Orientierungsplan war recht simpel: Wann immer möglich, so gut es geht in Richtung Osten halten. Und das natürlich artig ohne die Waldwege zu verlassen, denn den Naturschutz wollten wir natürlich berücksichtigen.

HasselbrackWährend sich in mir schon erste Unruhe breitmachte, mir den Rückweg zum Auto merken zu müssen, begann meine Freundin, ein klassisches Frauenklischee zu erfüllen, indem sie praktisch minütlich Fragen im Stile “wann sind wir da?” zu stellen begann und über Erschöpfung und Unmut klagte. Und als ich schon drauf und dran war, dieser Nörgelei nachzugeben und unverrichteter Dinge kehrt zu machen, da tat sich überraschend am letzten angegriffenen Hügel ein verdächtiger Stein am Wegesrand auf: Der Gipfelstein!

Von Wikipedia offensichtlich mit veralteten Informationen ausgestattet, hatte ich bis dahin Ausschau nach einem Gipfelkreuz gehalten. Die Wanderfreunde Hamburgs hatten jedoch dieses Jahr dem Gipfel des 116 Meter hohen Hasselbrack einen sehr schönen Gipfelstein spendiert. Unsere Freude über das schließlich doch noch erreichte Ziel war groß und ich war geradezu ergriffen von der Kitschigkeit, an diesem süßen Hügelchen im Wald tatsächlich auf eine Metallkassette mit Gipfelbüchern darin zu stoßen. Schnell also noch das 2013er Buch herausgesucht und unseren Erfolg ruhmreich eingetragen und schon ging es mit bester laune auf den Weg zurück zum Parkplatz. Als Rückweg wählten wir zwar einen anderen als den Hinweg, dennoch fühlte sich die Zeit diesmal deutlich kürzer an, da ich diesmal ja auch wusste, wo das Ziel lag und nicht ins Blaue hinausstolpern musste.

Hasselbrack: Check! Hamburg ist abgehakt. Anfang Mai wird es dann wohl nach Berlin gehen. Nur noch 14 fehlen.

Jäger des Augenblicks

Am heutigen Abend war die Vorpremiere des neuen Dokumentarkletterfilms “Jäger des Augenblicks” in der Bremer Schauburg.

Tolle Stimmung, ein volles Kino und ein beeindruckender Film über die Erstbegehung einer neuen Route am Mount Roraima. Doch mehr als nur tolle Bilder und lässige Sprüche der beiden Kletterfreunde Stefan Glowacz und Holger Heuber, bietet dieser Film auch ein Andenken an die Kletterlegende Kurt Albert, der zwar beim ersten Ansturm auf den Roraima mit am Start gewesen war, jedoch vor dem zweiten Versuch in Bayern tödlich an einem Klettersteig verunglückt ist. Somit ist der Film gespickt mit Rückblenden vergangener Erfolge der drei Teilnehmer und auch mit Eindrücken ihrer bewegten Gedanken, Träume, Hoffnungen und Ängste.

Alles in allem ein Film mit dem Prädikat “absolut sehenswert”. Und die anschließenden Live-Vorträge von Stefan und Holger vor den Kinobesuchern waren definitiv noch ein tolles Sahnehäubchen dieser Vorpremiere. Zwei coole Typen, die man sich gerne anschaut und denen man gerne zuhört.

Offizieller Filmstart ist der 25.04.2013. Schauts euch an! Und natürlich hier noch ein Trailer zum Appetit holen…

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